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Unzufriedenheit bei den Einzelhändlern über politische Entscheidungen

Politik für Wertheim - von Ingo Ortel
Veröffentlicht von Ingo Ortel in Politik · 7 März 2021

Es ist verständlich das die Einzelhändler und ihre Verbände auf die Barrikaden gehen und nicht nachvollziehen können wie die Regierung mit ihnen umgeht. Auch ich frage mich, warum dürfen Baumärkte, Buchläden, Friseure oder körpernahe Dienstleister wieder öffnen und der Rest des Einzelhandels darf nur mit kleinen Zugeständnissen ihre Ware an den Kunden bringen.

Großer Aufwand für wenig Umsatz
Die kleinen Zugeständnisse für den Einzelhandel sind regionale Onlineshopportale unter das sogenannte „click-and-collect" (Ware auf Bestellung abholen). Seit den letzten Beschlüssen der Ministerkonferenz dürfen die Einzelhändler nun auch bei einem Inzidenzwert zwischen 50 und 100 mit Terminabsprache einen Kunden im Laden bedienen, dabei muss das Geschäft eine Verkaufsfläche von mindestens 40 m² vorweisen. Sinkt der Inzidenzwert unter 50, dürfen wieder ohne Anmeldung auf eine Fläche von 10-20 m² pro Kunde je nach Ladengröße ins Geschäft. Zugeständnisse welche für die Einzelhändler einen großen Aufwand für einen kleinen Umsatz bedeuten. Bei vielen Dienstleistern gehört Terminabsprache zum Geschäftssystem, für den Einzelhändler aber, welcher hauptsächlich von der Laufkundschaft lebt, ist dieses Modell unattraktiv.

Politische Entscheidungen fördern den Onlinehandel
Wenn dies zum Programm der Regierung gehört die Digitalisierung voranzutreiben, sind Sie hier schon mal auf dem richtigen Weg. Die Einzelhändler, welche schon vor Corona gegen die große Konkurrenz der Shopanbieter im Netz zu kämpfen hatten, werden Dank der politischen Entscheidungen immer mehr vom Markt gedrängt. Amazon und Co. können sich bis zu einem zweistelligen prozentualen Kundenzuwachs freuen. Viele Einzelhändler mussten schon während des ersten Lockdown Kredite aufnehmen, um ihr Geschäft zu halten. Die finanziellen Unterstützungen der Regierung welche teilweise auch nur schleppend die Einzelhändler erreichen, sind einen Tropfen auf den heißen Stein. Man nimmt eine gewisse Marktbereinigung in Kauf, die Gewinner sind am Ende die Onlinehändler. Auch wenn man anhand der zurzeit positiven Entwicklung der Infektionswerte wieder Licht am Ende des Tunnels sieht, wird die Krise danach noch tiefe Wunden bei den Einzelhändlern hinterlassen.

Regelungen nicht nachvollziehbar und ungerecht
Die Frage, die sich nun stellt, was unterscheidet die Dienstleister, Blumenhändler und Baumärkte von einem Einzelhändler welcher Textilien, Spielzeug, Elektro- oder Haushaltsartikel anbietet. Viele Discounter haben schon vor der Krise ihr Angebot um Non-Foot-Artikel stark erweitert und damit regionale Anbieter vom Markt verdrängt. Man hat das Gefühl, dass die Discounter die Coronakrise dazu genutzt haben, diese Sparte noch aufzustocken um eine gewisse Nachfrage, die durch die Zwangsschließung des Einzelhandels entstanden ist zu decken.

Eine frühere Einbindung der Einzelhändler in die Öffnungsstrategie
Seit Januar müssen wir nun FFP2- oder medizinische Masken tragen, wenn sie richtig getragen werden, bieten sie einen höheren Infektionsschutz. Unter diesen Voraussetzungen hätte man nach meiner Meinung, bei einem sinkenden Inzidenzwert im Februar auch den Einzelhandel unter hygienischen Vorgaben wieder öffnen können. Wenn man die Vorgehensweise bei den Discountern beobachtet können die Abstandsregelungen besonders während der Stoßzeiten kaum eingehalten werden. Es ist schwer nachvollziehbar warum die Einzelhändler nicht schon früher in die Öffnungsstrategie mit eingebunden wurden. Vermutungen werden laut, dass die Regierung den Aufenthalt außerhalb der vier Wände so unattraktiv wie möglich gestalten will, um den Bürgern keinen Anlass zu geben zusätzlich das Haus zu verlassen. Sicherlich eine gute Strategie, welche auch in puncto Nachverfolgung bei auftretenden Infektionsfällen die Gesundheitsämter entlastet haben. Eine Entscheidung die Geschäfte für die Kunden schon früher zu öffnen wäre auch ein Nachweis, ob der Einzelhandel einen Einfluss auf den Inzidenzwert hat.

Die Landkreise in Baden-Württemberg tragen die Verantwortung
Ich halte es erst mal für eine gute Entscheidung das unsere Landesregierung die Öffnung der Einzelhändler den Landkreisen mit Blick auf den Inzidenzwert überlässt und man dies nicht vom landesweiten Inzidenzwert abhängig macht. Natürlich richtet man sich nach den Öffnungsstrategieplan der Bundesregierung, deser Plan beinhaltet auch gewisse Risiken. Ein ideales Beispiel ist die Entwicklung des Inzidenzwerts im Main-Tauber-Kreis, Mitte Februar lag er unter 50, seit Anfang März ist der Wert weder auf 57 gestiegen. Solch ein wechselhafter Inzidenzwert, besonders wenn er über 50 steigt ist für einen Einzelhändler nicht gerade eine gute Perspektive und verunsichert natürlich auch die Kunden. Nun hoffen wir mal das ein stabiler Wert unter 50 für eine langfristige Öffnung der Geschäfte sorgt und dass die Kunden vom virtuellen Onlineshop den Weg wieder in die Geschäfte finden.

 
geschr. von Ingo Ortel



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